[bedingungsloses Spaßeinkommen] - blogDC.de

[bedingungsloses Spaßeinkommen]


Im Zeichen der Reihe "sinnfreie Diskussionen ohne Hintergrundwissen" hier der neueste Beitrag. Ich sollte langsam an eine eigene Blog-Kategorie dafür denken. Ein Freund bei Facebook und seineszeichens unermüdlicher Kämpfer für eine bessere Welt, hat mich auf folgendes Video zum bedingungslosen Grundeinkommen aufmerksam gemacht.



Vor der Kamera befragte Menschen, sagen tatsächlich aus, dass sie gerne arbeiten, sogar wenn sie es nicht für Geld tun müssten. Wie überraschend! Selbst der Straßenpromoter könnte sich nichts besseres vorstellen, als sich tagtäglich in der S-Bahn Unterführung fremden Menschen anzubiedern und von 95% der Passanten behandelt zu werden wie ein unsichtbarer Aussätziger (Ich habe selbst Promo gemacht, ich darf das sagen). Zwei Leuten rutscht beim Interview voreilig heraus, dass sie wohl doch lieber reisen möchten. Sie korrigieren sich aber schnell, dass sie natürlich auch arbeiten würden. Damit es ihnen nicht langweilig wird. Weil Reisen ja bekantermaßen ein Garant für Langweile ist.

Das bedinungslose Grundeinkommen ist finanzierbar. Punkt. Das wurde durchgerechnet und bewiesen. Allerdings "unter der Annahme, dass alle außer den genannten Rahmenbedingungen gleich bleiben". Und hier ärgere ich mich einfach über die grenzenlose Naivität der Diskussion. Wenn ich alles hätte, was ich für ein glückliches und zufriedenes Leben bräuchte, würde ich dann für ein paar Euro mehr jeden Tag um 4uhr aufstehen und 8h lang Müll einsammeln? Mich im Call-Center anschnauzen lassen? Die spießigen Kunden im Café bedienen?

Natürlich nicht! Das würde ich mir teuer bezahlen lassen. So teuer, dass sich überraschenderweise dann auch die Betriebskosten für die Müllabfuhr, Call-Center und das Tässchen Kaffee vervielfachen. Und ganz schwupps kostet mein ganzes Leben ein vielfaches vom Vorherigen, und der früher dekadente Kellner-Job ist plötzlich überlebenswichtig geworden. Und wonach schreit der gewohnt naive Grundeinkommensdenker dann? Richtig, nach dem Staat. Und das ganze Spiel geht von vorne los.

Das ist nur mal EIN Gedankengang, noch dazu ein simpler. Ich bin sicher, euch fallen noch mehr Argumente dagegen und dafür ein :-)

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Kommentare

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  1. German Psycho schreibt:

    Glauben Sie also auch, daß es vor allem diejenigen sind, die aktuell eben genau NICHT arbeiten wollen, die so vehement für das BDE eintreten?

    Ich vermute das nämlich auch. Und ganz ehrlich: Auch ich könnte mir durchaus vorstellen, ohne Arbeit glücklich zu sein. Wenn mir irgendwer (einer von „den Reichen”, von „denen da oben”, schlicht: den anderen) ein ordentliches Gehalt bezahlte, dann wär ich auch weg. Und triebe exakt den Kreislauf an, den Sie so treffen beschreiben.

    Das Paradoxon des BDE läßt sich wunderbar auf den Punkt bringen:
    „Das bedingungslose Grundeinkommen ist der Glaube, daß alle vom Geld aller anderen leben können.”

  2. krustyDC schreibt:

    Ich glaube nicht, dass sich ausschließlich Menschen für das BGE einsetzen, die nicht arbeiten wollen. Eine zugegebenermaßen kurze Recherche (Man will sich den Diskussionsspaß ja nicht mit Fachwissen verderben) zeigte, dass die Befürworter häufig überaus engagierte und fleißige Menschen sind, leider meistens etwas weltfremd und naiv, manchmal auch nicht übermäßig gebildet.

    Diese Menschen glauben *wirklich*, dass die große Mehrheit genau so gerne arbeitet, wie sie es tun. "Ich bin gerne Tagesmutter, also holt der Müllmann auch gerne den Müll ab. Als Hobby."

    Deswegen kann man diesen Menschen auch nicht böse sein. Sie verstehen die Gründe ja wirklich nicht, warum ihnen niemand das wohlverdiente BGE bezahlen möchte. Sie sehen weder Zusammenhang noch Auswirkungen. Sie denken nur an den bösen liberalen Kapitalisten.

  3. Silvio Gesell schreibt:

    Generell sind es weder naive noch bildungsferne Menschen, die sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen beschäftigen, da die entweder gar nicht wissen, was das ist, oder eine falsche Vorstellung davon haben (so wie es hier ja offensichtlich auch der Fall ist). Naiv sollte man eher die Leute nennen, die das bisherige System, das sowieso nur in sehr kurzen Zeiten gut funktioniert hat, auch noch in die Zukunft retten wollen. Eine Zukunft, in der es weniger Arbeit für jeden Einzelnen geben wird. Aber anstatt sich auf diese Zukunft zu freuen und sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen, wird an alten Dogmen festgehalten. Warum verhindern, ein schlecht funktionierendes System wenigstens ein kleines Stück besser - d.h. menschlicher - zu machen? Denn mehr ist es nicht. Es ist nicht die Abschaffung des Kapitalismus. Das Grundeinkommen soll nur eine Existenzgrundlage bilden. Wer seinen von heute gewohnten Lebensstandard aufrechten erhalten will, der wird auch weiterhin arbeiten gehen müssen. Aber es hilft vielleicht wenigstens dem einen oder anderen "Arbeitnehmer", der sich für ein menschenunwürdiges Gehalt auch noch wie ein Stück Dreck behandeln lassen muss, weil er heute keine großen Alternativen zu solchen Jobs hat. Es wird auch mit dem Grundeinkommen nicht so sein, dass sich Menschen - Gott behüte! - den ganzen Tag mit Literatur, Musik oder sonstigen wertlosen Hobbys beschäftigen ...

  4. krustyDC schreibt:

    Ich bin sehr dankbar für deinen Kommentar.

    Ich denke, ich habe einen sehr konkreten Kritikpunkt vorgebracht und die Antworten aus der BGE-Ecke scheinen immer die selben zu sein: "Ja aber so wie es jetzt ist, geht es ja auch nicht weiter und es geht um Gerechtigkeit und die Abschaffung von menschenunwürdigem Leben und Eierkuchen für alle!"

    Wer will da schon widersprechen. Aber genausowenig wie alle, die Internetzensur ablehnen, automatisch perverse Pädophile sind, sind BGE-Ablehner automatisch Misanthropen.

    Ich habe mit einem wirklich übermäßig simplen Beispiel dargelegt, dass das BGE eben schon nach wenigen Monaten vielleicht NICHT MEHR für die Existenzgrundlage ausreicht. Ganz im Gegenteil, wenn es richtig schief läuft, sind die Bedürftigen bald richtig am Arsch. Denen es davor schon gut ging wird das nicht weh tun, da mach dir mal keine Sorge. Sobald das BGE da ist, eicht sich doch der ganze Markt neu, von ganz alleine. 1500euro sind dann NormalNull. Also wäre alles wie vorher, nur gibt es dann kein Hartz 4 mehr um die Arbeitslosen aufzufangen. Game Over. Ground Zero. Und DAS ist WIRKLICH besser, als das was wir jetzt haben?

    Und wie kommst du zur der Behauptung, dass sich auch mit BGE niemand nur seinen Hobbies widmet? Himmel, es gibt doch jetzt schon tausende Menschen, die sogar schon für Hartz IV lieber gammeln als sich um Arbeit zu kümmern (1-5% von 5millionen scheinen mir realistisch). Schaut ihr überhaupt manchmal, was für bildungsfernes und arbeitsscheues "Gesindel" (entschuldigung, aber hier ist jetzt wirklich niemand der Mitleser angesprochen) sich jedes Jahr aus den Schulen verabschiedet?

    Das BGE funktioniert. In einer perfekten Welt. In der jeder Mensch genau so gerne Müllmann ist wie Profifußballer, und der Markt dabei vollkommen vom Staat kontrolliert wird. Sonst nicht.

  5. Silvio Gesell schreibt:

    Und von BGE-Kritikern kommen so sinnvolle Beiträge? In #1 und #1.1 wurde kolportiert, dass BGE-Befürworter naiv und weltfremd seien und noch dazu arbeitsscheu. Ich denke, bei den meisten BGE-Gegnern fängt die Argumentation bei "BGE? Was soll denn der Scheiß? Die faulen Säcke sollen arbeiten gehen, muss ich ja schließlich auch" an und hört dort auch schon wieder auf. Da bevorzuge ich doch die wahrscheinlich meist tatsächlich nicht viel ausgefeiltere Gegenversion der BGE-Befürworter vom Wunsch eines schöneren, humaneren Lebens. Auch wenn das so weltgewandte Menschen wie du natürlich immer mit "Eierkuchen für alle" ins Lächerliche ziehen. Aber ist ja ok, dir gehts ja auch gut,da kann man so reden.
    Zu deinem Einwand: Dein Szenario wird so kaum eintreten. Es kriegt ja nicht nur einfach jeder ein Taschengeld jeden Monat und sonst bleibt alles gleich. Die Lohnnebenkosten z.B. werden deutlich sinken und somit wird Arbeit in vielen Bereichen erst einmal sowieso billiger. Inwiefern sich Teuerungen mit Einsparungen die Waage halten, kann man nicht konkret vorhersagen. Aber es ist ja nicht nur eine sehr wünschenswerte Entwicklung, dass Arbeit, die keiner machen will, in Zukunft auch besser bezahlt wird. Es wird ja vermutlich auch der Fall eintreten, dass man bei vielen Jobs dann auch weniger verdient.

  6. Virtual_Icarus schreibt:

    "Bei aller Reserve gegenüber der Anthropologie lässt sich zusätzlich sagen: «Auf das Tun-Können kommt es gerade des Geistes wegen an», so dass wir nicht von einem Menschenbild ausgehen sollten, welches die Verweigerung von Tätigsein unterstellt, sondern genau vom Gegenteil."

    (Prof. Dr. Theo Wehner ist seit 1997 ordentlicher Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich und beschäftigt sich seit einigen Jahren auch mit Motivationspsychologie in der freigemeinnützigen Tätigkeit.)

    Auch der dm - Gründer Götz Werner (seit langem ein erfolgreicher Unternehmer und Milliardär) spricht sich bereits seit diversen Jahren für die Idee des BGE aus.
    ( http://www.audiobuch.com/hoerbuecher/das-bedingungslose-grundeinkommen/
    http://derstandard.at/1263706342146/STANDARD-Interview-Dann-koennte-man-das-Geld-aufessen )

    Eine Frage an Sie German Psycho: Wenn Sie davon ausgehen, dass alle Menschen die für das BGE streiten, NICHT arbeiten wollen, wie kommt es dann das so viele Menschen täglich in diversen Positionen ehrenamtlich bzw. in Vereinen zusätzlich zu deren Job (insofern NOCH vorhanden) noch weitere Verantwortung übernehmen (für die sie nicht bezahlt werden) oder sich unentgeltlich für gemeinnützige Organisationen engagieren?

    Pures Geltungsbedürfniss kann man in 99,9% aller Fälle ausschließen.

  7. krustyDC schreibt:

    Kann man diese "sehr viele Menschen" mal irgendwie in Relation setzen? Und nur weil es Mensch A gibt, beweist das doch noch lange nicht, dass es Mensch B und C nicht gibt.

    Und warum versucht eigentlich niemand meine These der Verteuerung und Inlfation zu widerlegen? Ich bin eine VWL-Niete, das Beispiel muss einen großen Haken haben!

  8. Leo schreibt:

    Moin krustyDC,

    und willkommen im Mienenfeld. Vielen ist die Idee des BGE so lieb geworden, dass sie für jede Form der Kritik, oftmals sogar der Nachfrage höchstempfindlich geworden sind und kein Austausch mehr möglich ist.

    Für mich ist das BGE eine Dystopie seit ich zum ersten Mal davon gehört habe. Geld allein machte glücklich; und wir alle dürften einen Riesenfinanzbedarf bezahlen, nur damit die Wirtschaft mit einem allumfassenden Kombilohnmodell beglückt wäre.

    Schönes Wochenende

  9. Friedrich August von Hayek schreibt:

    Mist, jetzt hab ich zu lange nicht hier vorbei geschaut und dabei die interessanteste Diskussion überhaupt verpasst. :-(
    Also zuerst mal muss man feststellen, dass wir ja bereits heute schon ein bedingungsloses Grundeinkommen haben, nämlich das Arbeitslosengeld II oder Hartz IV.
    Um es zu bekommen, muss man sich lediglich auf dem Amt - je nach "Fallmanager" - wie ein Stück Scheiße behandeln lassen oder nach Sozialpädagogenart betüddeln lassen und ein bisschen auf bedürftig machen.
    Das Problem mit H4 im Gegensatz zum BGE ist, dass das bisherige System ganze Heerscharen von Beamten und öffentlichen Angestellten beschäftigt und dass es diejenigen begünstigt, die lügen und betrügen, um etwas mehr herauszuschlagen, als ihnen zusteht.
    In sofern würde die Umstellung auf ein niedriges BGE tatsächlich erst mal einen riesigen Haufen Kosten sparen.
    ABER: Während H4 nur Bedürftige bekommen (oder diejenigen, die vom Amt dafür gehalten werden), soll das BGE an jeden ausgezahlt werden.
    Und damit kommen die Zweitrundeneffekte ins Spiel. Die von dir angesprochene Inflation ist sicherlich einer davon.
    Denn was machen Leute, die es nicht nötig haben, mit geschenktem Geld? Sie geben es entweder aus (-> Konsumgüterinflation), investieren es in Immobilien (-> Mietpreisinflation) oder tragen es zur Bank oder an den Aktienmarkt (-> Vermögenswertinflation).
    Die Inflation wiederum wirkt ähnlich wie eine Vermögenssteuer, da sie durch Verwässerung des Geldes alle bestraft, die viel davon haben.
    Allerdings kann einem hierbei auch kein Steuerberater aus der Patsche helfen, sondern nur die Hortung von Realwerten.
    Auftritt: Die "Spekulanten."
    Und das ganze Spiel geht von vorne los.
    Nee, ich glaub auch nicht, dass das BGE wirklich so eine gute Idee wäre.
    Ich würde ein anderes System bevorzugen: Ein sehr einfaches Steuersystem mit progressiven Steuersätzen, die niedrig anfangen, leicht ansteigen, aber am Ende gegen 100% streben.
    Für Leute ohne Einkommen könnte man die Einkommensteuer am unteren Ende negativ gestalten.
    Durch kluges Design der Kurve sollte sicher gestellt werden können, dass sich
    1. Arbeit immer mehr lohnt als keine Arbeit
    2. Die Vermögen, die so groß sind, dass sie sowieso keiner mehr ausgeben kann abgeschmolzen werden.
    Dummerweise funktioniert aber ein solches System gerade für das obere Ende eben nur dann, wenn man nicht daraus entkommen kann. :-(

  10. Paramantus schreibt:

    Sicher gibt es Menschen, die gerne arbeiten. Menschen, die das Glück hatten, den Beruf auszuüben, der ihnen Spaß macht. Aber es geht auch anders. Die berühmten zwei Seiten der Medallie... "Die Stimme des Volkes" - Huiuiui... o.O

  11. DerDieDas schreibt:

    Na ist der Clown im Osterurlaub???


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